Moor-PV: Moorflächen für Photovoltaik verpachten

Photovoltaikanlage auf einer wiedervernässten Moorfläche (Moor-PV)

Mit dem Solarpaket I, das im Mai 2024 in Kraft getreten ist, hat der Gesetzgeber eine neue Kategorie für Photovoltaik-Freiflächenanlagen geschaffen: die sogenannte Moor-PV. Damit können Moorflächen und entwässerte Torfböden für Solaranlagen genutzt werden -- bei gleichzeitiger Wiedervernässung der Fläche. Für Eigentümer von Moorflächen eröffnet sich eine attraktive Doppelstrategie: Pachteinnahmen aus der Photovoltaik und aktiver Klimaschutz durch Torferhalt.

Was ist Moor-PV?

Moor-PV bezeichnet die Installation von Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf Moorböden und entwässerten Torfstandorten. Das Besondere: Die Errichtung der Solaranlage ist an eine Wiedervernässung der Moorfläche gekoppelt. Der Wasserstand wird angehoben, um den Torfabbau zu stoppen und die Fläche als Kohlenstoffspeicher zu erhalten.

Die Anlagen werden auf speziellen Unterkonstruktionen errichtet, die den empfindlichen Moorboden möglichst wenig belasten. Statt massiver Betonfundamente kommen leichte Gründungssysteme wie Schraubfundamente oder schwimmende Konstruktionen zum Einsatz.

Warum ist Moor-PV klimapolitisch so wichtig?

Moore bedecken nur etwa 5 Prozent der deutschen Landesfläche, sind aber für einen überproportional großen Anteil der Treibhausgasemissionen aus der Landnutzung verantwortlich:

  • Entwässerte Moore in Deutschland emittieren rund 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr
  • Das entspricht etwa 7 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen
  • Die Wiedervernässung von Mooren ist eine der kosteneffizientesten Klimaschutzmaßnahmen

Gut zu wissen

Durch die Kombination von Wiedervernässung und Solarenergie auf Moorflächen wird ein doppelter Klimanutzen erzielt: Die Moorfläche wird als CO2-Senke erhalten, während gleichzeitig sauberer Strom erzeugt wird. Ein Hektar wiedervernässtes Moor kann pro Jahr bis zu 30 Tonnen CO2 einsparen.

Rechtliche Grundlage: Solarpaket I und EEG

Das Solarpaket I hat die rechtlichen Rahmenbedingungen für Moor-PV geschaffen. Die wichtigsten Regelungen:

EEG-Förderfähigkeit

Moor-PV-Anlagen sind im Rahmen der EEG-Ausschreibungen förderfähig. Sie werden als eigene Gebotskategorie behandelt und erhalten einen speziellen Zuschlag, der die höheren Errichtungskosten auf Moorböden berücksichtigt.

Bonus für Moor-PV

In den EEG-Ausschreibungen erhalten Moor-PV-Projekte einen Aufschlag gegenüber konventionellen Freiflächen-PV-Anlagen. Dieser Bonus soll die Mehrkosten für die aufwändigere Gründung und die begleitende Wiedervernässung kompensieren.

Anforderungen an die Wiedervernässung

Um als Moor-PV anerkannt zu werden, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein:

  • Der Wasserstand auf der Fläche muss im Vergleich zum Ausgangszustand deutlich angehoben werden
  • Ein Wiedervernässungskonzept muss erstellt und von der zuständigen Behörde genehmigt werden
  • Die Wirksamkeit der Maßnahmen muss durch ein Monitoring nachgewiesen werden
  • Die Wiedervernässung muss für die gesamte Betriebsdauer der Anlage aufrechterhalten werden

Welche Moorflächen eignen sich?

Nicht alle Moorflächen kommen für Moor-PV in Frage. Besonders geeignet sind:

Entwässerte Hochmoore und Niedermoore

  • Flächen, die aktuell entwässert und landwirtschaftlich als Grünland genutzt werden
  • Ehemalige Torfabbauflächen
  • Degradierte Moorflächen mit geringem landwirtschaftlichem Ertrag

Anforderungen an die Fläche

  • Mindestgröße: Ab ca. 5 Hektar wirtschaftlich sinnvoll
  • Torfmächtigkeit: Ausreichende Torfschicht für eine effektive Wiedervernässung
  • Eigentumsverhältnisse: Klare Eigentumslage, idealerweise ein einzelner Eigentümer oder wenige Beteiligte
  • Keine Naturschutz-Konflikte: Die Fläche sollte nicht in einem streng geschützten Naturschutzgebiet liegen (obwohl viele Moorgebiete unter Schutz stehen, ist Moor-PV unter bestimmten Voraussetzungen auch dort möglich)

Technische Besonderheiten von Moor-PV

Die Installation von Solaranlagen auf Moorböden erfordert spezielle technische Lösungen:

Leichte Gründungssysteme

Statt konventioneller Rammfundamente werden bei Moor-PV spezielle Systeme eingesetzt:

  • Schraubfundamente mit geringem Gewicht
  • Schwimmende Unterkonstruktionen bei hohem Wasserstand
  • Flachgründungen auf Lastverteilungsplatten

Angepasste Modultische

Die Modulaufständerung muss den besonderen Bedingungen Rechnung tragen:

  • Höhere Aufständerung wegen des angehobenen Wasserstands
  • Korrosionsbeständige Materialien durch die feuchte Umgebung
  • Flexible Konstruktionen, die leichte Bodenbewegungen ausgleichen

Kabelführung und Infrastruktur

  • Oberirdische oder flach verlegte Kabel statt tiefer Kabelgräben
  • Minimale Zuwegungen, um den Moorboden nicht zu stören
  • Schwimmende oder erhöhte Wartungspfade

Pachtpreise und Wirtschaftlichkeit

Die Pachtpreise für Moor-PV liegen in einem ähnlichen Bereich wie bei konventionellen Freiflächen-PV-Anlagen, können aber durch den EEG-Bonus sogar etwas höher ausfallen:

  • Orientierungswert: 2.500 -- 4.000 € pro Hektar und Jahr
  • Der EEG-Bonus für Moor-PV erhöht die Wirtschaftlichkeit für den Betreiber, was sich positiv auf die Pachthöhe auswirken kann
  • Zusätzlich entfallen für den Eigentümer die Kosten der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung auf schwierig zu bearbeitenden Moorflächen

Wirtschaftlicher Vorteil für Flächeneigentümer

Viele Moorflächen werden aktuell als extensives Grünland genutzt und erwirtschaften nur geringe landwirtschaftliche Erträge. Gleichzeitig verursacht die notwendige Entwässerung laufende Kosten. Durch Moor-PV können Eigentümer:

  • Höhere Pachteinnahmen als durch landwirtschaftliche Nutzung erzielen
  • Entwässerungskosten einsparen
  • Einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten
  • Von einer langfristigen Einnahmequelle über 20-30 Jahre profitieren

Gut zu wissen

Moorflächen, die bisher nur geringe landwirtschaftliche Erträge bringen, können durch Moor-PV deutlich aufgewertet werden. Besonders attraktiv: Der Flächeneigentümer hat kein Betreiberrisiko und erhält langfristige, planbare Pachteinnahmen.

Pilotprojekte und Praxiserfahrungen

Die ersten Moor-PV-Projekte in Deutschland zeigen vielversprechende Ergebnisse:

  • In Niedersachsen und Schleswig-Holstein laufen mehrere Pilotprojekte auf wiedervernässten Moorflächen
  • Die Projekte zeigen, dass sich Solarenergieerzeugung und Moorschutz nicht nur vereinbaren lassen, sondern gegenseitig verstärken
  • Die Erfahrungen aus den Pilotprojekten fließen in die Weiterentwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen ein

Für wen ist Moor-PV interessant?

Moor-PV richtet sich besonders an:

  • Landwirte mit Moorflächen, die schwer zu bewirtschaften sind
  • Kommunen und Stiftungen, die Moorgebiete besitzen
  • Wasserverbände und Naturschutzorganisationen, die Wiedervernässungsprojekte planen
  • Flächeneigentümer, die eine nachhaltige und profitable Nutzung ihrer Moorfläche suchen

Fazit: Moor-PV verbindet Klimaschutz mit Einnahmen

Moor-PV ist eine der innovativsten Entwicklungen im Bereich der erneuerbaren Energien. Durch die Verbindung von Solarenergie und Moorschutz profitieren Flächeneigentümer, das Klima und die Energiewende gleichermaßen. Wenn Sie Moorflächen besitzen und über eine Verpachtung nachdenken, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich beraten zu lassen.

Prüfen Sie kostenlos und unverbindlich, ob Ihre Fläche für Moor-PV oder andere erneuerbare Energien in Frage kommt.

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