Photovoltaikanlagen sind eine etablierte Möglichkeit, Strom aus Sonnenenergie zu erzeugen. Auf Industriedächern – also Produktionshallen, Lager- und Logistikhallen, Bürogebäuden, landwirtschaftlichen Gebäuden oder Ausstellungs- und Werkstatthallen – entstehen besonders große nutzbare Flächen. Dadurch ergeben sich zwei parallele Vorteile: zusätzliche Einnahmen (Pachtmodell) oder deutlich niedrigere Stromkosten (Eigeninvestment). Beide Wege lohnen sich in der Regel – welcher besser passt, hängt vom Stromverbrauch am Standort ab.
Als unabhängiger Vermittler zwischen Dacheigentümern und Projektentwicklern vermittelt FlächenMakler Gewerbe- und Industriedächer bundesweit. Die folgenden Informationen stammen aus dieser Vermittlungspraxis.
Welche gesetzliche Verpflichtung gibt es für Unternehmen?
Einige Bundesländer haben eine Solarpflicht eingeführt, um die Nutzung erneuerbarer Energien zu fördern und die Treibhausgasemissionen zu verringern. Diese Verpflichtung gilt für Industrie- und Handelsunternehmen, die neue Nichtwohngebäude und größere Parkplätze bauen, und in einigen Fällen auch für die Renovierung von Dächern auf bestehenden Gebäuden. Während diese Verpflichtung für Unternehmen, die neue Produktions-, Logistik- oder Bürogebäude bauen, eine zusätzliche Herausforderung darstellen kann, bietet sie auch Vorteile wie niedrigere Stromkosten, einen Schritt in Richtung Dekarbonisierung für das Unternehmen und ein positives öffentliches Image. In unserem Artikel zu Solarpflicht für Unternehmen wird erläutert, für wen die Solarverpflichtung gilt, welche Anforderungen gelten und welche Möglichkeiten es gibt, sie zu erfüllen.
Zwei Wege: Verpachtung oder Eigeninvestment
Für eine Photovoltaikanlage auf dem Industriedach gibt es zwei grundsätzliche Modelle – beide haben einen klaren Kernnutzen.
Verpachtung (Projektentwickler investiert)
Im Pachtmodell schließt der Eigentümer einen Dachnutzungsvertrag mit einem Projektentwickler ab – typischerweise über 20 Jahre, oft mit zweimal 5 Jahren Verlängerungsoption. Der Projektentwickler übernimmt das komplette Paket:
- Planung, Genehmigung, Invest, Bau
- Betrieb, Wartung, Versicherung
- Rückbau am Ende der Vertragslaufzeit
Der Dacheigentümer erhält wahlweise eine Einmal-Pacht vorab (sofortige Liquidität) oder eine jährliche Pacht. Optional kann eine Stromlieferung vom eigenen Dach vereinbart werden (On-Site-PPA), sodass der Betrieb im Gebäude von einem stabilen Strompreis profitiert.
Kernnutzen: risikominimiert, planbare Einnahme, kein Capex, kein Aufwand.
Eigeninvestment (Eigentümer investiert selbst)
Beim Eigeninvestment trägt der Eigentümer die Investition, betreibt die Anlage selbst und nutzt den erzeugten Strom direkt. Projektentwickler liefern hier das komplette technische Paket (Engineering, Ausschreibung, Bau, Betrieb, optional Speicher und Ladeinfrastruktur), nehmen aber keine eigene Investition vor.
Besonders sinnvoll ist dieses Modell, wenn der Betrieb hohen Eigenverbrauch hat (Produktion, Kühlung, Kälte, Fördertechnik, Mehrschichtbetrieb) oder wenn Speicher- und Lade-Konzepte strategisch ausgebaut werden sollen.
Kernnutzen: maximale Stromkosteneinsparung, Strompreis-Sicherheit, strategische Energieautarkie.
Welches Modell passt?
Als grobe Orientierung:
- Überwiegend vermietetes Gebäude oder Einschichtbetrieb mit niedrigem Stromverbrauch → Pachtmodell ist in der Regel die pragmatischste Lösung.
- Aktiver Betrieb mit hohem Stromverbrauch (Produktion, Kühlhäuser, Logistikzentren mit vielen Verbrauchern) → Eigeninvestment hat den größeren wirtschaftlichen Hebel.
- Getrennte Rollen (Eigentümer ≠ Nutzer) → Pacht für den Eigentümer, Stromlieferung vom Dach für den Nutzer lässt sich im selben Vertrag kombinieren.
Welche Option im konkreten Fall besser passt, klärt typischerweise ein Vor-Ort-Termin mit einem Projektentwickler – dort werden Dachaufbau, Netzanschluss und Lastprofil abgeglichen.
Drei operative Hebel für Industriebetriebe
Für Betriebe mit aktivem Geschäftsbetrieb im Gebäude ergeben sich aus einer Dach-PV-Anlage drei wirtschaftliche Hebel, die in den nächsten Jahren zunehmend relevant werden:
- Strompreis-Sicherheit – Eigenstrom vom Dach reduziert die Abhängigkeit von Spotmarktpreisen. Statt volatiler Netzeinkaufspreise gibt es einen kalkulierbaren Stromtarif.
- Entlastung bei CO₂-Kosten – Eigenstrom und die Elektrifizierung des Betriebs (Stapler, Förderfahrzeuge, Firmen-PKW) wirken dämpfend auf die CO₂-Belastung. Mit steigenden CO₂-Preisen wird dieser Hebel größer.
- Speicher und Ladeinfrastruktur als Erweiterung – Das Dachprojekt lässt sich zu einem ganzheitlichen Energiekonzept ausbauen: Batteriespeicher für Eigenverbrauchsoptimierung und Ladestationen für Flurförderzeuge, PKW, Transporter und perspektivisch LKW.
Kauf, Pacht oder Miete – steuerliche Aspekte
Die klassische Frage „Kauf oder Miete" ist heute oft eine Frage zwischen Kauf (Eigeninvestment) und Pacht (Dachverpachtung):
- Beim Kauf / Eigeninvestment lassen sich Anlagenkomponenten als Wirtschaftsgüter abschreiben, die Betriebskosten sind steuerlich absetzbar.
- Im Pachtmodell entstehen für den Eigentümer keine Investitionskosten; die Pachteinnahmen sind Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung.
- Bei echten Mietmodellen einer Anlage zahlt der Betrieb eine monatliche Miete – die Zahlungen sind in der Regel als Betriebsausgaben absetzbar.
Für die konkrete steuerliche Gestaltung empfiehlt sich ein Gespräch mit einem Steuerberater – insbesondere, weil Sonderabschreibungen (z. B. IAB) je nach Modell anders greifen. Siehe auch Photovoltaik und Landwirtschaft – Steuern.
Welche Förderungen für Photovoltaik-Anlagen gibt es für Unternehmen in Deutschland?
In Deutschland gibt es für Gewerbetreibende verschiedene Fördermöglichkeiten für die Installation von Photovoltaik-Anlagen:
- KfW-Förderung: Die KfW-Bank bietet zinsgünstige Darlehen für die Installation von Photovoltaik-Anlagen.
- BAFA-Förderung: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert die Installation von Photovoltaik-Anlagen mit Zuschüssen.
- EEG-Vergütung: Unternehmen, die Photovoltaik-Anlagen betreiben, erhalten eine Vergütung für den erzeugten Strom gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).
- Investitionszulage: Gewerbetreibende können für die Installation von Photovoltaik-Anlagen eine Investitionszulage beantragen.
- Steuerliche Abschreibung: Photovoltaik-Anlagen können als Wirtschaftsgüter abgeschrieben werden, was die Investitionskosten verringert.
Es empfiehlt sich, sich vor der Entscheidung für eine Photovoltaik-Anlage über die aktuellen Förderbedingungen und -sätze zu informieren und gegebenenfalls eine Beratung durch einen Fachmann in Anspruch zu nehmen.
Kostenfreie Dachsanierung?
Es gibt Unternehmen, die Photovoltaikanlagen nicht nur zur Erzeugung von Strom, sondern auch zur Finanzierung von Dachsanierungen nutzen. Diese Unternehmen bieten an, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Unternehmens zu installieren und die Einnahmen aus dem Verkauf des erzeugten Stroms zur Finanzierung der Dachsanierung zu verwenden.
Für Unternehmen mit maroden Dächern kann dies eine attraktive Option sein, da sie so die Kosten für die notwendige Dachsanierung umgehen können. Stattdessen werden die Kosten über die Einnahmen aus der Photovoltaikanlage finanziert.
Ein weiterer Vorteil dieser Option ist, dass das Unternehmen nicht nur von einem sanierten Dach, sondern auch von den Vorteilen einer Photovoltaikanlage profitiert. Dazu gehört neben der Einsparung von Stromkosten auch der Beitrag zum Klimaschutz durch die Nutzung erneuerbarer Energie.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Höhe der Einnahmen aus einer Photovoltaikanlage von verschiedenen Faktoren abhängig ist, wie z.B. der Größe der Anlage, dem Standort und dem Strompreis. Daher sollte sorgfältig geprüft werden, ob die Einnahmen aus der Photovoltaikanlage ausreichen, um die Kosten für die Dachsanierung zu decken.
Erfahren Sie mehr zu dem Thema in unserem Artikel zu Kostenlose Dachsanierung für Industriedächer.
Wieviel Strom kann durch eine Photovoltaikanlage auf einem Industriedach erzeugt werden?
Die Höhe der Strommenge, die eine Photovoltaikanlage auf einem Industriedach erzeugen kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören die Größe der Photovoltaikanlage, der Standort und die Ausrichtung des Daches sowie die Menge an Sonnenlicht, die das Dach erreicht.
Um eine grobe Einschätzung der Strommenge zu erhalten, die eine Photovoltaikanlage auf einem Industriedach erzeugen könnte, kann man sich an folgender Formel orientieren:
Strommenge (kWh) = Größe der Anlage (kWp) x Durchschnittliche Sonnenstunden pro Tag x Ausnutzungsfaktor x 1.000
Die Größe der Anlage wird in kWp (Kilowattpeak) angegeben und gibt die maximale Leistung der Photovoltaikanlage unter optimalen Bedingungen an. Der Ausnutzungsfaktor gibt an, wie viel Prozent der maximal möglichen Leistung der Anlage tatsächlich erreicht werden und liegt in der Regel bei etwa 75%.
Als Beispiel: Eine Photovoltaikanlage mit einer Größe von 10 kWp, die an einem Ort mit durchschnittlich 4 Sonnenstunden pro Tag installiert ist, könnte ungefähr 30.000 kWh Strom pro Jahr erzeugen (10 x 4 x 0,75 x 1.000 = 30.000 kWh/Jahr).
Es ist wichtig zu beachten, dass dies nur eine grobe Schätzung ist und die tatsächliche Strommenge von vielen Faktoren abhängig ist. Um eine genauere Prognose zu erhalten, empfiehlt es sich, einen Fachmann zu beauftragen, der die individuellen Gegebenheiten vor Ort berücksichtigen kann.
Auch bei kritischen Dächern: Leichtbau und Teilbelegung
Nicht jede Industriehalle ist im Ist-Zustand für eine vollständige PV-Belegung geeignet – ältere Dächer, unklare Statik oder komplexe Aufbauten sind kein automatisches Ausschlusskriterium. Bei einer Vor-Ort-Prüfung werden typischerweise geprüft:
- Dachaufbau und Lastreserven (bei Bedarf ergänzt um ein Statik-Gutachten)
- Leichtbau-Systeme mit reduziertem Flächengewicht für schwächere Dächer
- Teilbelegung nur der tragfähigen Dachbereiche
- Kombiniertes Paket aus Dachsanierung und PV – die kostenfreie Dachsanierung im Pachtmodell kann hier eine besonders attraktive Lösung sein (siehe Kostenlose Dachsanierung für Industriedächer)
Passt es technisch nicht, wird das transparent zurückgemeldet – passt es, haben Sie eine belastbare Umsetzungsoption.
Zeitfenster – warum jetzt planen?
Der aktuelle regulatorische Rahmen für gewerbliche PV-Anlagen ist nach heutigem Stand attraktiver als das, was ab 2027 erwartbar wird: strengere Vorgaben bei Ausschreibungszuschlägen, häufigere Netz-Eingriffe (Abregelungen) und insgesamt unsicherere Erlöse sind wahrscheinlich. Wer heute plant, kann das Projekt so strukturieren, dass es früher in Betrieb geht und von den aktuellen Konditionen länger profitiert.
Welche Dachlast für Photovoltaik?
Die Dachlast bezieht sich auf die Belastung, die ein Dach tragen kann, ohne dass es beschädigt wird. Es ist wichtig, die Dachlast vor der Installation von Photovoltaikanlagen zu kennen, um sicherzustellen, dass das Dach die Last auch tatsächlich tragen kann.
Die Dachlast einer Photovoltaikanlage hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Größe der Anlage, dem Gewicht der Module und dem Material des Daches. Eine Photovoltaikanlage aus Monokristallinen Modulen wird z.B. schwerer sein als eine Anlage aus Dünnschichtmodulen. Auch die Dachkonstruktion spielt eine Rolle, da manche Dachtypen besser geeignet sind, um eine größere Last zu tragen als andere.
In der Regel können Dächer eine Last von etwa 100 kg pro Quadratmeter tragen. Das bedeutet, dass eine Photovoltaikanlage, die insgesamt 20 kg pro Quadratmeter wiegt, auf einem Dach mit einer Dachlast von 100 kg pro Quadratmeter problemlos installiert werden kann. Allerdings sollte immer auch die Tragfähigkeit des Daches an sich berücksichtigt werden, da manche Dächer aufgrund von Alter oder mangelhafter Konstruktion weniger tragfähig sind.
Um sicherzustellen, dass das Dach die Last einer Photovoltaikanlage tragen kann, ist es wichtig, die Dachlast vor der Installation zu prüfen. Dazu kann man entweder einen Statiker beauftragen oder sich an den Hersteller der Photovoltaikanlage wenden, der Auskunft über die benötigte Dachlast geben kann.
Anwendungsgebiete für Photovoltaik (PV) in der Industrie
Photovoltaikanlagen können in einer Vielzahl von Gebäudetypen der Industrie installiert werden, um Strom zu erzeugen und Energiekosten zu sparen. Dazu gehören:
- Fabrikhallen: Fabrikhallen bieten in der Regel genügend Dachfläche, um Solaranlagen zu installieren. Die Stromerzeugung kann dazu beitragen, den Energiebedarf der Produktionshalle zu decken und die Kosten zu senken.
- Lagergebäude: Auch Lagerhallen oder Logistikhallen bieten in der Regel genügend Dachfläche, um Solaranlagen zu installieren.
- Bürogebäude: Bürogebäude können ebenfalls von Solaranlagen profitieren, insbesondere wenn sie über genügend Dachfläche verfügen.
- Landwirtschaftliche Gebäude: Landwirtschaftliche Gebäude, wie z.B. Scheunen und Ställe, können ebenfalls von Solaranlagen profitieren.
Weitere Gebäude, die sich eignen:
- Ausstellungshalle
- Werkstatthalle
- Freizeithalle
Es ist wichtig zu beachten, dass die Eignung von Gebäudetypen für die Installation von Solaranlagen von vielen Faktoren abhängt, wie z.B. der Größe und Orientierung der Dachfläche, den lokalen Wetterbedingungen und den Energiebedürfnissen des Gebäudes.
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